Meine Sicht der Dinge

Fairness ist ein feiner Zug. Ich unterstelle einfach mal mit gutem Gewissen, dass unsere Hunde auch gerne fair behandelt werden möchten. Aber wie geht das am besten?

Unser Haushund (Canis familiaris) hat sich schon seit `zig Jahren als so genannte „ökologische Nische“ unsere Haushalte ausgesucht und wir alle wissen, jedes Zuhause sieht anders aus und es hat sich auch im Laufe der Jahre so einiges von einfachen menschlichen Behausungen bis hin zum hochmodernen Städtebau getan.

Fakt ist, wir leben mit unseren Vierbeinern ausgesprochen eng zusammen. Das setzt für alle Beteiligten eine gute gegenseitige Verständigung voraus, wenn es einigermaßen harmonisch zugehen soll. Wir Menschen nutzen als Informationskanal in erster Linie unsere Sprache. Schade nur, dass Hunde so gar kein Sprachverständnis haben. Sie verstehen von dem was wir so den ganzen Tag erzählen und womit wir unsere Hunde manchmal auch liebevoll „zutexten“ kein einziges Wort. Hunde kommunizieren ohne Worte. Sie bellen, manche Hunde sogar ausgesprochen nervtötend von Zeit zu Zeit, aber sie sprechen eben nicht.

Hunde können aber durchaus die Bedeutung bestimmter Worte lernen (Ansonsten raten sich die meisten  Hunde mehr oder weniger erfolgreich durch ihr ganzes Hundeleben).

Hunde sind großartig in vielen Dingen und sie machen uns in vielen Bereichen um Längen was vor. Sie sind auch sehr gut darin, den Lerntheorien perfekt zu folgen und gerade das können Sie als Hundebesitzer für Ihre eigene gültige “Hunde-Hausordnung” clever nutzen. Ganz wichtig ist mir dabei aber: Uns Menschen fällt es schon wahnsinnig schwer, Regeln permanent zu befolgen. Unsere Hunde sind Hunde und ihnen fällt es noch viel  schwerer, sich unseren menschlichen Wünschen permanent zu beugen. Nehmen Sie kleinere Interessenkonflikte also sportlich und wenn Wünsche von ihrem Vierbeiner – vor allem auch im jugendlichen Hundealter – öfters mal hinterfragt werden, seien Sie hartnäckig, bleiben Sie am Ball und nehmen Sie es mit Humor!

Klare Erziehungsansagen kann man in den allermeisten Fällen auf ganz nette Art und Weise geben. Es sei hier gesagt, dass auch Strafen funktionieren, sie können aber ganz erhebliche Nachteile für die Hund-Mensch-Beziehung mit sich bringen und unter Stress und Angst kann keiner lernen.  Menschen neigen zudem dazu „emotional zu strafen“, d.h. sie korrigieren nicht im Rahmen eines Trainingsplans, sondern weil sie genervt sind.  In diesem Kontext gesehen ist Strafe einfach ungerecht und nicht zielführend.

Ich favorisiere klar alle Ansätze, die mit Belohnungen einhergehen. Wenn man diese so genannte positive Verstärkung, also zum Beispiel die Belohnung von gewünschtem Verhalten gekonnt und wirkungsvoll einsetzt, arbeitet ein  Hund meist  motiviert mit und er lernt nachhaltig. Außerdem entwickeln Hunde, so eine äußerst positive Grundeinstellung zum Menschen und zum Training  und beide „Enden der Leine“ sollen ja vor allem Laune an ihrem Tun haben. Wenn man dann noch bedenkt, dass zuviel Ehrgeiz eher schadet, dass beide Seiten gute und schlechte Tage haben und vieles auf Anhieb eben nicht so läuft, wie man es gerne hätte, kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen. Auf  ein gutes Timing sollte man bei Signalen für den Hund nur immer achten, hier ist der Spielraum nämlich nicht wirklich groß, aber auch in diesem Bereich macht Übung sicherlich den Meister.

Kurzes Fazit:

Man kann von einem Hund nur etwas „verlangen“ und ihn fair behandeln, wenn man ihm auch das entsprechende Rüstzeug dazu an die Hand gibt. In erster Linie müssen wir Menschen also lernen, nach welchen Regeln unser Hund lernt. Ein großes Stück Arbeit liegt also auch bei uns. Da aber die Fähigkeit des Menschen, etwas zu behalten und zu verinnerlichen mit der Relevanz der Dinge und der emotionalen Bedeutung steigt, dürfte Üben auch für uns alle kein großes Problem sein. Denn, dass wir alle unsere Vierbeiner ins Herz geschlossen haben, steht außer Frage. Es gilt also nach wie vor das Sprichwort sowohl für den Mensch als auch den Hund: „Übung macht den Meister“.